Aufruf zur Interkiezionale Demo am 2.11.2019

Die Potse ist mit dem Drugstore eins der ältesten, selbstverwalteten und autonomen Jugendzentren, die es in Berlin gibt. Am 31.12.2018 ist der Mietvertrag für beide Zentren ausgelaufen. Die Potse hat die Schlüsselübergabe an den Bezirk verweigert, das Drugstore musste die Räume verlassen, um den Trägerverein durch eine mögliche Klage nicht zu gefährden. Seit der Mietvertrag auslief, befinden sich Unterstützer*innen der Potse weiterhin in den Räumen der Potse und nutzen diese weiter. Jetzt ist die Potse akut räumungsbedroht, da uns ein Termin für einen Räumungsprozess zugestellt wurde. Dieser Gerichtstermin ist am 8.1.2020 und das nur wegen dem Versagen der Politik. Seit 2015 werden erfolglos adäquate Ersatzräume von dem Jugendstadtrat des Bezirks Tempelhof-Schöneberg Oliver Schworck (SPD) gesucht. Es wurden bisher keine Räume gefunden, in denen die beiden Jugendzentren ihre Konzerte, Proberäume, Caféveranstaltungen und viele weitere Workshops anbieten können. Lediglich für das Drugstore wurde eine vorübergehende Teillösung in der Potsdamer Str 134/36 gefunden, in denen das Kollektiv leise Veranstaltungen stattfinden lassen kann. Der Umbau wird jedoch erst Mitte 2020 fertig gestellt sein. Bis dahin sitzt das Drugstore auf der Straße. Der Potse wird die Kommunikation mit dem Jugend- und Bezirksamt verweigert, solange sie sich in den Räumen aufhalten. Jetzt, da sich wahrscheinlich keine friedliche Lösung finden lassen wird, will der Jugendstadtrat Oliver Schworck die Potse räumen lassen. Deswegen müssen wir jetzt auf die Straße, und zwar nicht alleine.!

In ganz Berlin werden unterschiedlichste selbstverwaltete, emanzipatorische und antifaschistische Projekte für die Interessen von Investor*innen verdrängt. Sei es das queerfeministische Hausprojekt Liebig 34, dessen Rechte von dem Immobilien-Entwickler Padovicz weggenommen wurden, der Köpi, welche schon wieder auf dem Spekulationsmarkt ist, die Meuterei, welcher angeboten wurde, ihre Räume für €650,000 zurück zu kaufen, das Syndikat, welches schon vor der Demo seinen Gerichtstermin hatte, oder der Sabot Garten, der entschlossen ist, ohne Räume durch den kalten Winter hindurch gegen Gentrifizierung in der Rummelsburger Bucht zu kämpfen – wir stehen zusammen!

Wir stehen alle vor dem gleichen Kampf, also seid mit uns solidarisch, kommt zur Interkiezionalen Demo am 2.11! Es gibt drei Startpunkte: einen vor der Köpi, einen vor der Infowand (Weise- / Herrfurthstr.)/ Nähe Syndikat und einen am Lausitzer Platz, alle um 17 Uhr. Alle Demos treffen sich dann am Schlesischen Tor, von wo aus wir gemeinsam nach Friedrichshain ziehen werden.

Wir solidarisieren uns außerdem mit dem Aufruf von Riseup4Rojava und WomenDefendRojava, die am gleichen Tag zum globalen Widerstand gegen den türkischen Angriffskrieg aufgerufen haben – 12 Uhr Alexanderplatz!

Tagebuch No. 7

Nach etwas längerer Pause gibt’s nun auch wieder einen Tagebucheintrag von uns. In der Zwischenzeit haben wir uns alle von unserem Festival im September erholt – an dieser Stelle nochmal ein riesiges Dankeschön an alle, die uns dabei auf unterschiedlichsten Wegen unterstützt haben oder einfach nur da waren und mit uns gefeiert haben!

Der September war auch sonst super ereignisreich, zwei Wochen nach unserem Festival, vom 25. bis 29.09., fanden die TuMalWat-Tage in Berlin statt. Häuser und andere Flächen wurden besetzt, Aktionen gestartet und wir haben ’ne Demo organisiert. Das war super, danke an alle Aktivistis, die Aktionen gestartet oder an ihnen teilgenommen haben.
Die Polizei hat sich mal wieder als Handlangerin von Investmentfirmen und Grundstückseigentümerinnen gezeigt, Menschen aus besetzten Häusern und Bäumen geräumt und auch auf unserer Demo eine Person festgenommen. Unterstützt die Menschen bei ihren Repressions-Kosten durch Spenden, wenn ihr könnt, oder durch Solipartys wie z.B. letzten Freitag in der Liebig34.
Und auch wenn die Aktionstage rum sind, bleibt das Motto so aktuell wie lange nicht mehr: Tut Mal Wat!

Auch im Oktober ist bereits einiges passiert: Das Drugstore hat seine erste Veranstaltung im Musik und Frieden organisiert, der Laden war voll und die Party super. Trotzdem fehlt dem MuF der Drugstore-Muff und uns fehlt weiterhin ein langfristiger Ort, an dem wir komplett autonom unsere Veranstaltungen schmeißen können!
In der Potse gab’s am 12.10. mal wieder ein Konzert, diesmal mit der Band E-Aldi, die in Berlin zu Besuch waren.
Das in die Rote Insel (Mansteinstraße) ausgelagerte Siebdrucklabor des Drugstores wurde auch diesen Monat intensiv genutzt, immer wieder entstehen neue Ideen für Patches, T-Shirt-Motive und vieles mehr.
Und inzwischen haben auch die Zirkus-Zecken, die sich jeden Montag treffen, einen Ort für die kalten Monate gefunden. Wenn ihr Lust habt, mitzumachen, kommt montags um 18 Uhr zum Supamolly!

Doch jetzt zu weniger schönen Neuigkeiten: Bisher sind wir davon ausgegangen, dass das Drugstore-Kollektiv noch in diesem Jahr mit dem Umzug in die Räume in der Potsdamer Str. 134-36 starten kann. Diese Woche durften wir jedoch erfahren, dass die Schadstoffsanierung dort immer noch nicht abgeschlossen ist – da hat uns die Hausverwaltung beim Gespräch vor einigen Monaten wohl falsch informiert? Zugesichert wurde uns nun, dass die Räume ab dem zweiten Quartal 2020, also frühestens ab April, bezugsfertig sein sollen. Wo bis dahin die für den Bezirk unverzichtbare selbstverwaltete Jugendarbeit stattfinden soll, darauf gab’s keine Antwort. Schönen Dank auch.

Langsam rücken die Gerichtstermine näher, an denen über die Räumungsklagen gegen das Syndikat, die Liebig34 und die Potse entschieden werden sollen. Letzte Woche Montag wurde die Gruppe DieselA von ihrem Wagenplatz geräumt und auch der Sabot Garden hat zur Zeit mit vermehrter Polizeipräsenz und damit dauernder Räumungsgefahr zu kämpfen.
Wir haben keinen Bock auf weitere Räumungen! Deshalb rufen wir zur kämpferischen interkiezionalen Demonstration am 02.11. auf! Die Häuser, Wohnungen, Läden, Plätze und Straßen denen, die sie brauchen! Startpunkte sind vor der Køpi, vorm Syndikat und auf dem Lausitzer Platz, jeweils um 17 Uhr. Haltet Augen und Ohren nach weiteren Terminen und Aktionen offen.

Eure Kollektive von Drugstore und Potse