Neubezug & Zusammenkommen & Infoveranstaltung

Mit Trauer und Wut im Herzen möchten wir euch davon berichten, dass die ehemaligen Räume des Drugstores im 2.OG der Potsdamer Str. 180 nun bezugsfertig sind und neue Mieter*innen demnächst in diese geschichtsträchtigen Räume einziehen werden.

Diese Menschen werden nicht verstehen, was die Räume für alle bedeuten, die jemals in unser Jugendzentrum einen Fuß gesetzt haben. Sie werden nicht sehen, wieviele Geschichten in diesem Ort entstanden sind, wieviele Freundschaften geschlossen wurden, wieviele Menschen hier Hilfe und Zugehörigkeit erfahren haben. Abseits von Kapitalismus und Zwang ist dort seit 1972 ein Ort entstanden, der sich gegen Hierarchien und Sozialarbeiter*innen gestellt hat. Indem die Jugendlichen selber das Programm bestimmt und angepackt haben.

Jetzt wird genau das Einzug erhalten, wogegen sich das Kollektiv jahrelang gewehrt und die Räume jahrelang gekämpft haben: Kapitalismus.

Auch wenn wir nicht wissen, welche Firma dort genau einziehen wird, so wissen wir, dass die Lianeo Real Estate GmbH sicherlich kein Jugendzentrum, keinen Kunst- und Kulturraum, keinen Raum für soziales und erst recht keinen Raum für die Nachbar*innen des Kiezes schaffen wird. Diese Firma, die bis vor kurzem noch Intown Property Management GmbH hieß, profiliert sich selber damit „heruntergekommene“ Immobilien aufzukaufen und diese dann im Wert zu steigern. Und das immer auf dem Rücken der Mieter*innen (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Intown_Gruppe). Im direkten Austausch mit den Mieter*innen und Nutzer*innen steht die Firma dabei nicht und bleibt ein unpersönlicher Briefkasten an der Möckernstraße, hier in Berlin.

Wir möchten mit euch gemeinsam trauern, Geschichten austauschen, Blumen niederlegen und Kerzen aufstellen und dem Ort gedenken, der soviele von uns zu dem gemacht hat, was wir heute sind.

Am 06.02.2020 werden wir uns ab 19 Uhr vor dem Eingang der Potsdamer Str. 180 einfinden, gemeinsam trauern und in Erinnerung schwelgen. (https://www.facebook.com/events/167334884529016/)
Bringt gerne eigene Gedanken, Zeichnungen, Gedichte, Kerzen, Blumen, etc. mit.
Danach wird es einen Infotresen in der Potse geben, die weiterhin in ihren Räumen im 2. OG ausharren, bis das Land Berlin und der Bezirk Tempelhof-Schöneberg Räume gefunden haben, die der Potse eine Perspektive bieten und uns laute Nutzungen in unseren eigenen Räumen ermöglichen.

Bericht vom Gerichtsprozess 08.01.2020 Drugstore & Potse

Am 08.01.2020 um 09:00 Uhr wurde der Termin für den Räumungsprozess des Jugendamts Tempelhof-Schöneberg von Berlin gegen den Potze e.V. anberaumt.


Im Vorfeld des Prozesses haben sich die Jugendlichen und Unterstützer*innen der Potse und dem Drugstore vor dem Gerichtsgebäude in der Turmstr. 91 eingefunden und eine Kundgebung angemeldet.
Im Vorfeld wurde der Prozess vom Amtsgericht Tiergarten in den Hochsicherheitssaal des Kriminalgerichts in den Saal 500 verlegt. Über diese Verlegung wurden die Anwälte des Potze e.V.‘s nicht informiert, sondern haben darüber über die Presse erfahren. Auch die Verlegung in den Hochsicherheitssaal macht aus den Jugendlichen direkt Kriminelle, obwohl es um einen Prozess gegen Jugendliche und um eine Immobilie geht. Teilweise mussten kritische Prozessbegleiter*innen 2 Stunden warten, ehe sie in den Saal gelassen wurden. Auch mussten diese dann in einem unbeheizten, zugigen Treppenhaus verweilen, ohne Zugang zu Toiletten oder Wasser. Statt der 60 Plätze im vorherigen Saal gab es nur 30 Plätze, obwohl der Prozess als ein Prozess von öffentlichem Interesse angekündigt wurde. Damit wurde ein Teil der Öffentlichkeit bewusst ausgeschlossen.

Viel verheerender jedoch waren die enormen Sicherheitsauflagen, die neben dem Verbot diverser Gegenstände (wie etwa Kugelschreiber oder Mobiltelefone) auch Personen unter 16 Jahren den Zutritt verwehrten. Das wurde nicht nur von den anwesenden Unterstützer*innen kritisiert, sondern auch vom Anwalt der Potse, Lukas Theune. Aufgrund dessen reichte Herr Theune einen Befangenheitsantrag gegen den zuständigen Richter ein, da dieser diesen „Sicherheitsmaßnahmen“ zugestimmt hatte.
Ein erster Befangenheitsantrag wurde vom Richter abgelehnt, woraufhin der Anwalt des Potze e.V.‘s einen weiteren Befangenheitsantrag eingereichte.
Als dieser vom Richter missachtet wurde und er den Prozess fortführen wollte, sahen sich die Anwälte und die Vorstände gezwungen, den Saal zu verlassen. Wir sehen es nicht ein, dass wir im Vorfeld kriminalisiert werden und die Jugendlichen, die der Prozess betrifft, ausgeschlossen werden!

Bevor die Kundgebung anfing wurden unterschiedlichen Menschen schon Platzverweise unter Gewaltandrohungen erteilt, da sich angeblich keine*r vor dem Gerichtsgebäude sammeln dürfe bis die Kundgebung anfinge. Die Kundgebung, welche nicht vor dem Gericht, sondern auf der anderen Straßenseite stattfand, verlief nach den Platzverweisen bis zur Verkündigung der augenscheinlichen Vertagung friedlich, bis die Berliner Polizei aus vorgeschobenen Läutstärkebeschwerden den Generatorschlüssel rechtswidrig entwendete und damit der Kundgebung den Strom abdrehte. Es gab lautstarke Beschwerden, aber trotzdem Kraft und Mut sich diesen Repressionen in den Weg zu stellen! Es gab lautstarke Chöre, ein Acappela-Konzert von RO!m- & StrO!fahrzO!ge und leider auch weitere Repressionen. Der Versuch, eine spontane Demonstration anzumelden, schlug fehl, da die Berliner Polizei das verweigerte. Am Ende haben sich die Unterstützer*innen
in Zweiergruppen mit 3 m Abstand zueinander zusammen gefunden, um gemeinsam den Weg in den Schicksaal des Tommyhauses einzuschlagen. Das Schicksaal hatte sich nämlich dazu bereit erklärt, für alle Unterstützer*innen die Türen zu öffnen und die abgebrochene Kundgebung + Konzerte fortzuführen.

Wie der Prozess weitergeht wissen wir nicht. Wir hoffen, dass dem Antrag auf Befangenheit stattgegeben wird und wir eine*n neue*n Richter*in bekommen, die unsere Unterstützer*innen nicht kriminalisiert! Jugendarbeit hat nicht in einem Hochsicherheitssaal verhandelt zu werden!

Achtet auf Ankündigungen!

Eure Kollektivistix von Drugstore und Potse

Bild:
https://twitter.com/ReclaimYourClub/status/1214861519994982400?s=20

Pressemitteilung 02.01.2020

Pressemitteilung 02.01.2020 SJZ Drugstore & Potse Berlin

Ein Jahr nach der geplatzten Schlüsselübergabe, steht der Gerichtsprozess zum Räumungsverfahren gegen das selbstverwaltete Jugendzentrum Potse an. Am 08. Januar 2020, wird um 9 Uhr im Kriminalgericht Wilsnacker Str. 4 Hochsicherheitssaal B129 darüber entschieden, wie es mit den von der Potse genutzten Räumlichkeiten in der Potsdamer Str. 180 weitergehen soll. Anlässlich der ungewissen Zukunft der Potse und der drohenden Räumung, haben einige Jugendliche während der letzten BVV am 11.12.2019 ihren Protest durch Transparente und Sprechchöre kundgetan. Der BVV-Vorstand Stefan Böltes sieht von einer Anzeige ab. Dennoch erhielten die Jugendlichen bereits nach 10 Tagen Anzeigen zu „schwerem Hausfriedensbruch“. Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Unterstützer*innen der Potse kriminalisiert werden.

„Es ist bezeichnend, wenn in einer Stadt wie Berlin, der Prozess gegen ein Jugendzentrum in einem Hochsicherheitssaal verschoben wird, während Faschos, wie in Neukölln, ungestört wüten können.“ so Mona, eine Besucherin der Potse.

Der Drugstore hat noch keine bezugsfertigen Räume, obwohl diese bei der Schlüsselübergabe am 31.12.2018 bis spätestens Juli 2019 zugesichert wurden. Nun sollen die Räumlichkeiten der Potsdamer Str. 134-136 voraussichtlich im zweiten Quartal 2020 fertiggestellt werden.
Eine Nutzung durch die Potse ist seitens des Bezirks nicht eingeplant. Neue Räumlichkeiten stehen für die Potse ebenfalls nicht in Aussicht. Für die Potse ist klar, dass sie ohne Ersatz die Potsdamer Str. 180 nicht verlassen können. Die notwendige Jugendarbeit im Schöneberger Norden würde sonst wegfallen. Die Potse ist weiterhin offen für Gespräche, die zu Ersatzräumen führen. Das der Bezirk darauf bis jetzt nicht eingegangen ist, zeigt auch die Ablehnung einer Mediation, welche im Sommer 2019 vom Landgericht Berlin vorgeschlagen wurde. Eine gewaltsame Räumung scheint für die Politik daher eher die Lösung zu sein, als sich auf zielführende Gespräche einzulassen.

Die Pressesprecher*innen von Drugstore und Potse
Pressemail: presse.drugstore.potse[ät]online.de

Jahresabschluss 2019

Zum Jahresabschluss möchten wir euch über den aktuellen Stand informieren und Falschmeldungen aus dem Weg räumen, denn heute haben wir auch ein trauriges Jubiläum zu „feiern“.

Vor genau einem Jahr haben wir, das Drugstore, unsere Schlüssel für die Haustür und die Türen zu den genutzten Räumen in der Potsdamer Straße 180 abgegeben.
Die Schlüssel gingen an den Jugendstadtrat des Bezirks Tempelhof-Schöneberg, der diese dann an den Eigentümer der Immobilie zurückgab.

Vielen ist nicht bekannt, dass unser Jugendzentrum nur Nutzer der Räumlichkeiten, aber kein Mieter war. Deshalb wurde uns 2015 auch kein Miet-, sondern ein Nutzungsvertrag gekündigt. Und damit waren uns auch die Hände gebunden, rechtlich dagegen vorzugehen.

Wir sind aus den Räumen ausgezogen, um eine mögliche Schadensersatzklage des Eigentümers oder auch des Bezirks gegen unseren Verein, dem ssb e.V., abzuwenden. Denn eine Klage hätte unseren Verein in den finanziellen Ruin getrieben und damit das Aus bedeutet. Der Verein beherbergt neben uns nämlich auch das komplette Tommyhaus und die Mansteinstr.. Also auch Wohnräume, die zu erhalten wichtiger ist, als je zuvor.

Seit einem Jahr kämpfen wir also im Exil um unseren Erhalt. Wir sind enorm viele Kompromisse eingegangen, um unser Angebot wenigstens bruchstückenhaft so anbieten zu können, wie wir es alle kennen und geliebt haben.

Es wurde dazu vermehrt in der Presse berichtet, dass für uns, das Drugstore, kurzfristige Lösungen gefunden wurden aber dem möchten wir widersprechen.
Es wurden Lösungen gefunden, um uns temporär(!) am Laufen zu halten, jedoch nichts, was auch nur ansatzweise die Möglichkeit bietet, unser Konzept der Selbstverwaltung auszuüben.

Die Räume in der Potsdamer Str. 134/136 wurden angemietet und sollten bis Ende diesen Jahres bezugsfertig sein. Jedoch nur für leise Nutzungen. Leider gab es nicht genügend Kapazitäten im Bauamt, weswegen die Räume erst im 2. Quartal 2020 fertig sein werden, laut Plan. Diese Räume werden dann von uns selbstverwaltet, sobald wir denn endlich einziehen dürfen.

Für laute Nutzungen jedoch, wurde uns angeboten, Räume im Musik&Frieden abendweise anzumieten, um Veranstaltungen und Konzerte stattfinden lassen zu können.
So nobel die Geste, so schwierig die Logistik. Komplettes Konzertequipment jeden Monat von Schöneberg nach Kreuzberg zu transportieren…naja.
Aber natürlich haben wir das Angebot angenommen, denn wir greifen nach jedem Strohhalm! Und wir werden 2020 dort auch Veranstaltungen stattfinden lassen! Uns wird also viel abverlangt.

Auch unsere Proberäume können in der Potsdamer Str. 134/136 nicht eingerichtet werden, weswegen wir Mittel bekommen haben, um fertig eingerichtete Räume in einem professionellen Musikstudio zu nutzen.
Also wieder eine stundenweise Nutzung von Räumen, statt eigener Flächen.

Wir sitzen keinesfalls still und hoffen, dass uns neue Räume über den Weg laufen! Schöneberg ist im Eimer, Berlin ist im Eimer und wir müssen laut werden und uns gegen Vermieter*innen und Eigentümer*innen wehren, denen nichts an gewachsenen Kultur- und Jugendstrukturen liegt, sondern die nur an ihrer eigenen Profitmaximierung interessiert sind!

Der Januar wird ein weiterer Kraftakt für uns alle.
Diverse Prozesse stehen an, um geliebte Kneipen, Kultureinrichtungen, Zentren und Häuser mit Räumungstiteln zu überschütten.
Darunter auch der Prozess der Potse Berlin, die seit einem Jahr ihre Schlüssel nicht abgeben haben und für Ersatzräume für unsere beiden Jugendzentren kämpft.

Kommt am 03.01 ins Schicksaal-Tommyhaus, um gemeinsam mit uns die Anti-Rep Kasse zu füllen!

Kommt am 08.01 um 9 Uhr zum Amtsgericht Tiergarten, in die Wilsnacker Str. 4, zur kritischen Prozessbegleitung für die Potse Berlin!

One struggle, one fight!